Im Festsaal des Neuen Rathauses wurden gestern die besten Unternehmensgründer gekürt: Von den 62 Teilnehmern hatten beim Regionalausscheid des Start-up-Wettbewerbes drei Leipziger die Nase vorn eine Internetfirma aus Plagwitz, ein Glaser aus Knautnaundorf und ein Fotograf aus der Südvorstadt.
Die Plagwitzer Firma Panomic konnte die Juroren mit einem Computerprogramm überzeugen, mit dem sich 3D-Panoramen erstellen und in Internetseiten oder Multimedia-Präsentationen einbinden lassen. Unterstützt wurden die jungen Unternehmer bei der Entwicklung ihrer Geschäftsidee von einem Studententeam des Marketinglehrstuhls der Universität Leipzig. Ihr Plan:Firmen der Tourismusund Immobilienbranche sollen mit der neuen Grafiksoftware ihre Produkte im Internet deutlich attraktiver anbieten können. Nach Auffassung von Experten wird die Nachfrage nach solchen "Panografien" in nächster Zeit deutlich wachsen und dem Sechs-Mann-Unternehmen volle Auftragsbücher bescheren.
Auf Platz zwei des Regionalausscheides landete der angehende Glasermeister Stefan Wiesner. Er hat den seit 1932 bestehenden Handwerksbetrieb Glas & Spiegel Horst Schmidt übernommen und will ihn jetzt am Markt neu positionieren. Der Knautnaundorfer setzt dabei vor allem auf die Anfertigung von exquisiten Spiegeln und Ganzglaskonstruktionen mit besonderer Oberflächenbehandlung; daneben sollen auch Ornamentglas veredelt und ein 24-Stunden-Glasernotdienst angeboten werden. "Die Juroren fanden, dass Wiesner mit diesem Mix gute Chancen hat", berichtet Bernd Wenderoth vom Leipziger Unternehmensgründerbüro (ugb), das alle Teilnehmer betreut.
Platz drei ging an Martin Klindtworth, der sich mit jahrelangem nebenberuflichen Fotografieren einen Kundenstamm aufgebaut hat, ein Fotografie-Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst absolviert und jetzt als hauptberuflicher Fotograf bestehen will. Damit dies gelingt, will er künftig nicht mehr hauptsächlich Werbe-Aufnahmen schießen, sondern auch andere Genres bedienen. Die Juroren fanden seinen ausgefeilten Businessplan stimmig und spendierten ihm wie den beiden anderen Erstplatzierten mehrere kostenlose Konsultationen bei der Leipziger Unternehmensberatungsfirma Saxess AG.
Leipzigs Wirtschafts-Beigeordneter Detlef Schubert und Sparkassen-Vorstandsmitglied Reiner Beutelschieß stärkten gestern der Gründerszene den Rücken. "Wir brauchen noch mehr Leute mit Ideen", so Schubert bei der Preisverleihung im Neuen Rathaus. Reiner Beutelschieß kündigte an, dass sein Institut an der Förderung von Existenzgründern festhalten will. "Wir brauchen aber für die Organisation des ugb auch stärkere finanzielle Unterstützung von Bund und Land", so der Banker.
Der Höhepunkt des diesjährigen Start-up-Wettbewerbes findet am 11. Juni in Berlin statt. Dort werden unter allen deutschen Teilnehmern die Bundessieger gekürt. Mit im Rennen ist auch die Leipziger Neuroprogen GmbH, die neue Wege in der Parkinson-Therapie beschritten und den Landesausscheid gewonnen hat (die LVZ berichtete).
Andreas Tappert
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