Mission Female Commerce – Wie wollen Frauen online shoppen?

Einige Studien belegen, dass die Umsatzpotenziale im Online-Handel bei der weiblichen Kundschaft noch lange nicht ausgeschöpft werden, da viele Shops für Frauen wenig attraktiv gestaltet sind. Doch was fehlt der weiblichen Kundschaft beim Online-Shopping?

Laut der jährlichen Studie des Bundesverbandes des Deutschen Versandhandels haben Frauen in 2012 nur 42% zum Umsatz im Online-Handel beigetragen, statt der im Versandhandel üblichen 67%. Im Vergleich zu 2010 und 2011 ist der Umsatzanteil sogar rückläufig. Die Problematik, was Frauen beim Online-Shopping wichtig ist, befasst daher immer mehr Shopbetreiber und Experten.

In der Studie „kauFRAUsch“, die im Oktober dieses Jahres erschien, wurde der Unterschied von männlichen und weiblichen Käufern untersucht. Beim online shoppen schätzen Frauen besonders das zeitlich unabhängige einkaufen und das bequeme Shoppen vorm heimischen PC. Allerdings sind sie in Bezug auf Qualität, Service, Usability und Preis anspruchsvoller als Männer. Die Mühe, Frauen beim Online-Shopping für sich zu gewinnen, lohnt sich jedoch: Erfüllt man die hohen Anforderungen der weiblichen Shopper sind diese um einiges loyaler als die männlichen Kunden, kaufen öfter auch für ihr Umfeld ein und agieren als Multiplikatoren, in dem sie ihrem Freundeskreis von ihren Erfahrungen berichten. Diese Studienergebnisse kann ich selbst auch bestätigen.

Doch wie gestaltet man seinen Shop für Frauen attraktiver? Die Experten der „kauFRAUsch“ Studie raten in die Investition von Begeisterungsfaktoren wie z.B. einen virtuellen Verkaufsraum. Dem kann ich voll zustimmen. Im Folgenden möchte ich einen Einblick geben, welche Funktionen ich beim Online-Shopping im Fashionbereich schätze und was ich aktuell noch vermisse.

Basis-Funktionen

  • Die Benachrichtigungs-Funktion: „Schreiben Sie mir, wenn meine Größe verfügbar ist“ (z.B. Zalando) sollte es meiner Meinung nach in jedem guten Shop geben.
  • Man sollte mindestens auf einem Bild erkennen, wie der Artikel getragen aussieht. Was nützen mir sieben Fotos von einem Schuh von allen Seiten (z.B. mirapodo), wenn ich nicht sehen kann wie er am Fuß aussieht? Görtz verschafft hier mit wenigen Bildern einen deutlich besseren Eindruck.
  • Bei einem Online-Händler mit stationären Einzelhandelsgeschäften in meiner Nähe sollte auf jeden Fall die Funktion vorhanden sein, die Verfügbarkeit in der nächsten Filiale zu prüfen (z.B. Esprit).
  • Kundenrezessionen und Größeninformationen dürfen natürlich auch nicht fehlen, aber dies gehört ja inzwischen schon fast zum Standard jedes guten Shops.

Das sind erst einmal die Basics, aber wirklich begeistern kann man die meisten weiblichen Shopper damit noch nicht. Was den Frauen beim Online-Shopping sicher am meisten fehlt, ist die Inspiration für neue Produkte. Beim „Offline-Shopping“ entdeckt man als Frau meistens Produkte die sich perfekt in den Kleiderschrank einfügen, nach denen man online aber vielleicht nicht gesucht hätte. Online-Händler sollten also auch Inspiration (Shopping-Ideen) geben:

    • Durch regelmäßige Newsletter mit den neusten Trends und Produkten (z.B. Esprit)
    • Mit Hilfe einer virtuellen Kleiderpuppe, an der man verschiedene Kleidungsstücke individuell kombinieren kann (z.B. Zero)
    • Einen virtuellen Katalog, der verschiedene Outfits darstellt und man die einzelnen Bestandteile anklicken und in den Warenkorb legen kann (z.B. NEXT UK)

 

Darüber hinaus sind auch neue und innovative Konzepte nötig. Als Esprit Stammkunde würde ich mir zum Beispiel Empfehlungen auf Basis meiner bereits erworbenen Produkte wünschen, um neue Outfits zu generieren.

Kleiderschrankapps (wie z.B. Stylebook) haben ebenfalls großes Potenzial. Aktuell bietet Stylebook eher praktische Features zur Verwaltung des eigenen Kleiderschranks und zur Speicherung eigener Outfits. Austausch innerhalb einer Community oder via Facebook ist jedoch noch nicht vorgesehen – die Inspiration bleibt auf der Strecke.

Ein ähnliches Konzept gibt es bereits mit Stylefruits, ein Community-Portal bei dem man mehrere Artikel zu einem Outfit zusammenstellen kann. Ich selbst hole mir dort inzwischen die Inspiration bzw. Shopping-Ideen, die ich bei den Online-Shops nicht finde.

Auch das Tablet als “Second Screen” bietet viel Potenzial. Parallel zu bestimmten Fernsehformaten wie z.B. Shopping Queen, Germany next Topmodel, Exklusiv oder auch beliebter Fernsehserien wie Gossip Girl oder Sex and the City könnte Frau auf dem Tablet ganz einfach erfahren welches Kleidungstück die Kandidaten, Moderatorin oder Serienfigur gerade trägt und wo man dieses Produkt oder einen ähnlichen Style käuflich erwerben kann. Das dies auch außerhalb des Fashionsbereich funktionieren kann, zeigte die Erfolgsstory der bugaboo Kinderwagen, nach dem dieser in einer kurzen Szene zusammen mit der Serienfigur Miranda in Sex and the City zu sehen war.

Ich bin gespannt was sich die Shopbetreiber in Zukunft noch einfallen lassen, um dem weiblichen Geschlecht das Online-Shopping zu versüßen und freue mich auf baldige neue Funktionen zum ausprobieren.

Weitere Blogbeiträge zum Thema Female Commerce und neuen Lösungskonzepten sind geplant. Über einen Gedankenaustausch per E-Mail oder in den Kommentaren würde ich mich freuen.

 

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8 Kommentare zu “Mission Female Commerce – Wie wollen Frauen online shoppen?”
1
Sonja, am 20.02.2013 um 09:06

Ich denke, die genannten Funktionen könnten schon dazu beitragen, dass ich mehr online nach Kleidung schaue. Allerdings würde bei mir die Retourenquote deutlich steigen – viele Kleidungsstücke sehen an Models vielleicht gut aus, nicht aber unbedingt an mir. Das wäre den Online-Händlern sicher auch wieder nicht so recht.

2
Marion (Die Wohlfühlerie, www.wohlfuehlerie.de), am 20.02.2013 um 13:19

In meinen Augen ist ein noch nicht völlig befriedigtes Bedürfnis beim Frauenshopping vor allem auch, mehrere Dinge gleichzeitig erledigen bzw. entdecken zu können. Der Trend geht dabei zu Mischshops – der reine Schuhladen wird in Zukunft in den Hintergrund treten. Wir Frauen wünschen uns, dazu die passende Handtasche gleich mit zu bekommen, am besten noch einen passenden Schal etc.. In unserem Shop (www.wohlfuehlerie.de) versuchen wir, möglichst alle Sinne abzudecken. Das Konzept funktioniert: Frau wählt Pralinchen, dazu einen passenden Likör, ein Buch und eine Kuscheldecke – der perfekte Abend ist fertig zusammengestellt, und alles in nur einem Shop.

3
Erik, am 20.02.2013 um 15:32

Danke für die Einschätzung!

Ich beschäftige mich gerade eingehend mit female commerce und bin jeden Tag auf’s neue überrascht, wie wenig das mit der klassisches e-commerce Welt zu tun hat, in der ich sonst lebe.
Frauen sind irrationaler, spontaner, emotionaler, aber auch loyaler und sozialer im Shopping. Das für uns anzunehmen und auf bestehende Konzepte anzuwenden finde ich extrem schwierig.
Besonders ein Konzept wie Stylefruits ist für viele Kerle aus der Anwendersicht absolut irrelevant, erfüllt aber für Frauen einen absoluten Zweck! Ich denke, dass sich der Markt einfach noch deutlich stärker in Richtung bedarfsweckendes Shopping entwickeln muss – was automatisch damit einhergeht, dass Frauen deutlich mehr in die Planung von Einkaufswelten einbezogen werden müssen. Und, dass z.b. hochwertige Produktbilder deutlich mehr im Fokus stehen werden als günstige Schnäppchenseiten.

4
Thomas, am 22.02.2013 um 17:43

Die Themen „Entdecken“ und „Inspiration“ sind sicher auch ein Grund dafür, dass Pinterest inzwischen bei einer Bewertung von ca. 2,5 Mrd US$ angekommen ist.

http://ow.ly/hXxlP

Interessante Diskussion auch bei excitingcommerce http://www.excitingcommerce.de/2013/02/mission-female-commerce.html

5
E-Commerce für Frauen: Männer jagen, Frauen auch. Nur anders. - www.best-practice-business.de, am 27.02.2013 um 14:46

[…] Nüsse zu knacken. Und deshalb nimmt die Zahl der Studie zum Thema Female-Commerce eher noch zu. Im Netresearch-Blog werden z.B. wichtige Erkenntnisse aus der „kauFRAUsch“-Studie […]

6
Geraldine, am 27.02.2013 um 17:06

Interessante Untersuchung, ich werde mir auf jeden Fall die Ergebnisse schicken lassen.

7
Female Commerce – KauFRAUsch Studie 2013 | nr-apps.com Blog deutsch, am 16.12.2013 um 10:44

[…] Mission Female Commerce – Wie wollen Frauen online shoppen? […]

8
Gender Marketing – Wie wichtig ist eine geschlechtsspezifische Ansprache für Ihre Umsatzsteigerung? | idealo Blog, am 08.10.2015 um 17:40

[…] Beitrag der Webagentur Netresearch: “Mission Female Commerce: Wie wollen Frauen online shoppen… […]