Hermann Meyer digitalisiert komplexen Handel auf einer Plattform

Im technischen Handel treffen unterschiedliche Kundengruppen, Standorte, Preislogiken und regulatorische Anforderungen aufeinander. Viele Unternehmen lösen das über mehrere Systeme – und erhöhen damit die Komplexität.
Der bestehende Online-Shop der Hermann Meyer KG wurde gemeinsam mit Netresearch übernommen, strukturell neu ausgerichtet und auf Basis von OroCommerce technisch weiterentwickelt. Grundlage dafür waren eine vorgelagerte Analyse sowie die Definition einer Zielarchitektur, in der fachliche Anforderungen und technische Umsetzung zusammengeführt wurden.
Die Plattform ist heute unter www.meyer-shop.com (B2C) und b2b.meyer-shop.com (B2B) erreichbar und bildet ein Sortiment von rund 15.000 Produkten für über 50.000 Nutzer mit komplexen, kundenspezifischen Preislogiken ab.
Eine Plattform für B2B und B2Cohne doppelte Systeme
Zentrale Herausforderung war die Abbildung von B2B- und B2C-Geschäft in einer Lösung. Gewerbliche und private Kunden unterscheiden sich deutlich in Anforderungen. Statt getrennter Systeme wurden beide Modelle auf einer gemeinsamen Plattform umgesetzt – funktional getrennt, technisch vereint. Die Trennung erfolgt innerhalb von OroCommerce über unterschiedliche Websites mit jeweils eigenen Feature-Sets und Inhalten auf gemeinsamer Datenbasis.
Die Logiken wurden fachlich modelliert und in klare Prozessregeln überführt. Inhalte, Preise und Funktionen sind kontextabhängig gesteuert. Nutzer werden automatisch zugeordnet und können bei Bedarf zwischen den Bereichen wechseln.
Das Ergebnis:
- keine doppelte Datenpflege und konsistente Produktinformationen über alle Zielgruppen hinweg
- zielgruppenspezifische Nutzerführung ohne separate Systeme
Sinnvoll gesteuerte Verfügbarkeitenüber mehrere Standorte hinweg
Mehrere Lager- und Filialstandorte wurden in einer einheitlichen Logik zusammengeführt. Die Multi-Lager-Logik berücksichtigt sowohl die bevorzugte Filiale eines Kunden als auch standortübergreifende Bestände für die Online-Verfügbarkeit. Artikel bleiben bestellbar, solange sie insgesamt verfügbar sind. Gleichzeitig wird verhindert, dass nicht verfügbare Produkte in den Checkout gelangen. Gerade bei kurzfristigem Materialbedarf erhöht diese Logik die Planungssicherheit.
Vorteile für Kunden und Vertrieb:
- zuverlässige Aussage zur tatsächlichen Lieferfähigkeit
- weniger Rückfragen wie „Ist das wirklich lieferbar?“
- geringerer Abstimmungsaufwand im Vertrieb
Self-Service statt Rückfragen:Rechnungen & Dokumente im Shop
Ein typischer B2B-Engpass ist der Zugriff auf Rechnungen aus externen Systemen. Diese werden automatisiert aus dem ERP importiert und im Kundenkonto inklusive Metadaten wie Referenznummern und Datumsangaben bereitgestellt. Kunden können sie jederzeit selbst aufrufen. Was zuvor über E-Mail oder Telefon lief, wird damit zu einem transparenten Self-Service-Prozess.
Vorteile im Tagesgeschäft:
- keine manuelle Anforderung von Rechnungen mehr notwendig
- spürbare Entlastung von Vertrieb und Buchhaltung
- schnellere Klärung bei Rückfragen oder Reklamationen
Klare Prozesslogik zwischen Shopund angebundenen Systemen
Die Integration bestehender Systeme wurde klar strukturiert. Zentrale Datenflüsse zwischen OroCommerce, ERP und PIM wurden definiert und über XML-basierte Schnittstellen umgesetzt (u. a. für Produkte, Kategorien, Preise und Bestände). Zahlungsarten und Weiterverarbeitung sind eindeutig geregelt.
Das ERP fungiert dabei als führendes System für Kunden-, Preis- und Auftragsdaten, während das PIM die zentrale Produktdatenbasis bereitstellt. Beide Systeme werden kontinuierlich mit der Commerce-Plattform synchronisiert.
Schnittstellen, Zuständigkeiten und Übergabepunkte wurden festgelegt, sodass alle Systeme entlang derselben Prozesslogik arbeiten. Auch die Übergabe von Bestellungen ins ERP erfolgt regelbasiert, abhängig von definierten Zahlungsstatus und -arten.
Das Ergebnis:
- weniger Fehler durch Missverständnisse zwischen Systemen
- stabile Abläufe bei komplexen Zahlungs- und Versandkonstellationen
- reduzierter Abstimmungsaufwand zwischen Fachabteilungen
Nachweise und Freigabendigital im Shop gesteuert
Ein weiterer Baustein ist die digitale Abbildung produktspezifischer Vorgaben. Bestimmte Artikel dürfen nur mit gültigem Nachweis bestellt werden. Kunden hinterlegen die erforderlichen Dokumente direkt im Shop. Diese werden geprüft und systemseitig berücksichtigt. Erst danach wird die Bestellbarkeit freigegeben. Der gesamte Prozess findet innerhalb der Plattform statt und ersetzt manuelle Prüfabläufe außerhalb des Systems. Regulatorische Anforderungen werden so digital integriert, ohne zusätzliche Komplexität im Bestellprozess zu erzeugen.
Die Vorteile:
- Wegfall manueller Prüfprozesse außerhalb des Systems
- rechtssichere Abwicklung direkt im Bestellprozess
- Vermeidung von Fehlbestellungen nicht berechtigter Kunden
Inhalte und Kampagnenzentral steuern
Neben operativen Prozessen ermöglicht die Plattform eine strukturierte Content-Steuerung. Kampagnen lassen sich vorbereiten und zeitgesteuert ausspielen. Inhalte werden je nach Zielgruppe, Branche, Website oder Lokalisierung differenziert ausgespielt.
Vorteile für Marketing und Content:
- wenig manueller Eingriff zu Kampagnenstarts notwendig
- konsistente Kommunikation über alle Zielgruppen hinweg
- schnellere Umsetzung von Marketingmaßnahmen
Fazit: Komplexität integrieren statt umgehen
Die Plattform Oro Commerce bündelt komplexe Anforderungen in einer konsistenten Struktur. Prozesse greifen ineinander, statt nebeneinander zu laufen. Der Shop bildet reale Abläufe digital ab und schafft so die Grundlage für skalierbares Wachstum und weniger operative Reibung.
Das Projekt zeigt zudem, wie sich auch komplexe Replatforming-Vorhaben im laufenden Betrieb umsetzen lassen – inklusive Systemwechsel und minimaler Downtime beim Go-Live.
Entscheidend ist dabei nicht nur die technische Umsetzung, sondern die vorgelagerte konzeptionelle Arbeit aus Analyse, Strukturierung und Prozessdesign.

Tobias Kämpfe
B2B-Commerce-Experte
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