Der Netresearch Smart Mirror

Jeder Mitarbeiter bei Netresearch kann 10% seiner Arbeit für Forschung und Entwicklung nutzen. Viele Kollegen nutzen dies, um in der Open Source Community aktiv zu sein und so den Produkten, die wir nutzen, etwas zurückzugeben. Andere nutzen die Zeit zur Weiterbildung und wiederum andere haben Ideen, die sie gern umsetzen möchten. Ich gehöre oft zu den Letzteren und war begeistert von der Idee des Do-It-Yourself Smart Mirrors.

Technische Umsetzung

Im Netz gibt es schon einige Anleitungen, wie man ein solches Projekt umsetzen kann. Hinter einem sogenannten “Spionspiegeln” wird ein möglichst leuchtstarker, kontrastreicher und flacher Monitor geklemmt.

Das Schwierigste ist allerdings, das richtige Verhältnis zwischen der Durchlässigkeit des Spiegels und der Leuchtkraft des Monitors zu finden.

Den Spiegel habe ich gemeinsam mit meinem Kollegen Rico Sonntag gebaut, welcher bereits für den eigenen Gebrauch zu Hause einen Smart Mirror gebaut hat. Er hat den Netresearch Smart Mirror auch zusammengebaut und die von mir programmierte Software installiert.

Das Problem

Je durchlässiger der Spiegel ist, desto besser kann man sich darin spiegeln. Aber umso mehr der Spiegel spiegelt, desto schlechter lassen sich die Informationen auf dem Spiegel erkennen. Eine Lösung kann ein möglichst lichtstarker Monitor sein. Dabei muss man darauf achten, dass dieser wiederum äußerst kontrastreich ist, um zu verhindern, dass sich im Spiegel ein weißes Rechteck abzeichnet.

Kurzum, das Konzept hinkt. Besser wäre es doch einen Monitor vor dem Spiegel anzubringen. Und tatsächlich gibt es in Fernost Ingenieure, die sich diesem Problem angenommen haben.

Interaktion

Wir haben uns auch Gedanken über die Interaktionsmöglichkeiten mit dem Spieglein an der Wand gemacht. Hier scheiden sich die Geister. Aus meiner Sicht, sollte es nicht allzu viele davon geben. Einzig die Sprachsteuerung scheint mir sinnvoll zu sein (Dank der Alexa API kein Problem). Denn das letzte, was die Menschheit aus meiner Sicht braucht, sind überdimensionale Tablets, die extrem stark spiegeln. Die Kollegen allerdings fänden es reizvoll, einen Radarsensor, ähnlich wie bei Minority Report, umzusetzen.

Was wir wiederum alle sinnvoll finden, ist das Verbauen von Sensoren zur passiven Kommunikation. Bluetooth oder RFID zur Personenerkennung beispielsweise. Eine Kamera zur Gesichtserkennungen in Badezimmern lehnen wir alle ab. Hier steht für uns der Schutz der Privatsphäre im Fokus. :)

Der erste Prototyp

Bei unserem Prototypen haben wir uns auf das Wesentliche konzentriert. Er soll wie ein Spiegel aussehen und wesentliche Informationen liefern. Für die Software haben uns für das auf NodeJS basierende Framework MagicMirror2 entschieden. Es ist Open Source, leicht erweiterbar und sehr stabil.

Der Prototyp befindet sich inzwischen im Dauertest in unseren Büro- und Meetingräumen und wir testen praktische Dinge wie Stromverbrauch, Leuchtkraft und Benutzerakzeptanz.

Anwendungsbeispiele

Der Spiegel im eigenem Badezimmer ist natürlich ein sehr praktischer Anwendungsbereich gespickt mit Funktionen wie einem Familienkalender, einer Zahnputzuhr und der Anzeige der aktuellen Wetterlage.

Auch im Einzelhandel hat der Spiegel viel Potenzial. Im Zusammenhang mit RFID kann man dem Kunden nützliche Zusatzinformationen liefern, die man sonst bisher nur aus Webshops kennt: Welches Oberteil passt zu diesem Rock? Ist diese Hose auch in einer Nummer größer verfügbar? Kunden die dieses Shirt kauften, interessierten sich auch für … .

Weitere Einsatzmöglichkeiten sehen wir in Restaurants, Hotels, Friseursalons, Flugzeugen, Schiffen und Zügen zur Darstellung von Anschlusszügen, Öffnungszeiten usw. Alles in allem bietet der Spiegel als Informationsfläche viel Potential.

Fazit

Smart-Mirrors sind eine innovative Idee. Technisch gesehen sind sie kein Hexenwerk. Die Herausforderung besteht darin, eine gewohnt brillante Spiegelung und gleichzeitig ein kontrastreiches Bild zu projizieren. Es ist wahrscheinlich, dass das Konzept schon bald die Bastelstuben verlassen und in den öffentlichen Raum treten wird. Cross-Selling, Beratung oder einfach nur Information, der Handel hat hier viele Möglichkeiten interaktiv an seine Kunden heranzutreten.